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Fastenaktion der evangelischen Kirche

Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden

Gemeinschaften brauchen Regeln. Doch zu den Regeln gehört Spielraum. Und dessen Auslotung ist eine Kunst. Dass es auf Erden keine absolute Wahrheit gibt, kann man in Demokratien vielfach erkennen. Parlamente oder Gerichte beraten in schwierigsten Fällen darüber, wie eine Ordnung auszulegen ist. Eine totale Blockade jeglichen Widerspruchs lässt sich mit der Botschaft der Liebe Jesu Christi nicht vereinbaren, wie sie der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther beschreibt - unsere Bibelstelle zur 4. Fastenwoche.

Liebe und Gnade eröffnen keine grenzenlosen Wüsten, sondern machen Regeln im Alltag anwendbar. Großzügigkeit heißt nicht: "Es ist mir egal, wie du darüber denkst. Hier gilt nur, was ich für richtig halte!" Sondern: "Lass uns mal darüber reden, wier wir das hinkriegen, obwohl wir verschiedener Meinung sind." In den Zeiten der Corona-Pandemie habe ich solches mehrfach erlebt: Wenn Menschen in Seniorenheimen nicht besucht werden dürfen, erwies sich dies als äußerst harte Begrenzung. Deren Sinn, Bewohner und Pflegekräfte zu schützen, war jedoch keine absolute Blockade. Schon bevor dies offiziell erlaubt wurde, nutzten Heimleitungen ihren Spielraum, öffneten die Türen für Freunde von Sterbenskranken, auch wenn sie nicht zur engsten Verwandtschaft zählten.

Ich werde meinen persönlichen Umgang mit Regeln im Sinne des Fastenmottos 2021 "Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden" erkunden. Wie kann ich innerhalb von akzeptierten Grenzen großzügig und vertrauensvoll leben? Mit meinen Nächsten in Familie, Gruppen und Vereinen werde ich ebenfalls darüber reden.

ARND BRUMMER,

Geschäftsführer der Aktion "7 Wochen Ohne"

Woche 3: Das Spiel mit dem Nein

Exodus 1, 15-20:

Und der König von Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schifra hieß und die andere Pua: Wenn Ihr den hebräischen Frauen bei der Geburt helft, dann seht auf das Geschlecht. Wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist´s aber eine Tochter, so lasst sie leben. Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben.

Da rief der König von Ägypten die Hebammen und sprach zu ihnen: Warum tut ihr das, dass ihr die Kinder leben lasst? Die Hebammen antworteten dem Pharao: Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren. Darum tat Gott den Hebammen Gutes. Und das Volk mehrte sich und wurde stark.

 

Zwei Hebammen widersetzen sich einem Befehl. Sie nutzen den kleinen Spielraum, den sie haben. Regeln zu hinterfragen, Grenzen auszuweiten, widerständig zu sein - wir sind auf der Suche nach der inneren Freiheit, wo die äußere fehlt.

 

 

Gemeinde E-Mail am 03. März 2021

Liebe Mitfastende!

Am Übergang der zweiten und dritten Woche der Fastenzeit möchte ich Sie dazu noch Mal einladen, von der Rolle zu sein. Als wir uns auf dem Gymnasium einmal in der Woche in der großen Pause trafen, um uns geistlich zu stärken, wurden wir in der Schule von manchen komisch angeschaut. Wer betet, der fällt aus der Rolle gaben uns einige MitschülerInnen zu bedenken.

Nein, haben wir uns damals mit anderen SchülerInnen gesagt: "wir werden uns mit unserem Glauben nicht verstecken". Als ich später in der Klasse vor dem Abitur gesagt habe, dass ich Theologie studieren werde, schauten mich viele verwunderte Augen meiner MitschülerInnen an. Da bin ich komplett aus der Rolle gefallen, denn ich war der einzige, der aus meinem Jahrgang auf diese Idee kam. Aber nein, habe ich mir gesagt: "ich werde mich dem Druck des Mainstreams nicht beugen".

Einer der schönen Texte aus dem Jeremiabuch 1, 4-8 hat mich in meinem "von der Rolle sein" immer wieder gestärkt. Dort heißt es: 4 Und des HERREN Wort geschah zu mir: 5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zum predigen; denn ich bin zu jung. 7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: " Ich bin zu jung", sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR (Luther 2017).

Meine Berufswahl hat also mein Leben geprägt. Mein "Nein" zu einem anderen Werdegang ist mit mir fest verbunden. Für manche falle ich dadurch aus der Rolle. Das stört mich aber nicht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich nach einer Trauung zur Feier eingeladen war. Selbstverständlich habe ich auch getanzt. Da staunten aber einige. Denn mein Rollenbild ist in der Öffentlichkeit als Pastor fest geprägt. Das blockiert mich manchmal, etwas Neues auszuprobieren. Ich weiß aber, dass es gut tut, aus der Rolle zu fallen. Denn das ermöglicht Veränderungen, Neuanfänge und bietet nicht selten eine Neuausrichtung im Leben. Auch dann oder gerade dann, wenn ich auch nein sagen muss.

So gesehen lade ich Sie herzlich ein zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, darüber nachzudenken, wo Sie selbst aus der Rolle fallen und wo Sie ihr eigenes Nein für das Leben formulieren können. Lassen Sie sich selbst überraschen.

 

 

Ihr Witold Chwastek

Pastor für Vertretungsdienste im

Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde

 

 

 

 

 

 


Woche 2: Von der Rolle

Jeremia 1, 4-8:

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: "Ich bin zu jung", sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

Jeremia meint, er sei zu jung, um Prophet zu sein. Rollenbilder und -erwartungen blockieren uns oft. Und wir stecken auch die anderen in Schubladen. Es tut gut, mal aus der Rolle zu fallen - oder spielerisch in eine andere zu schlüpfen.

 

 

Gemeinde-Email am 26. Februar 2021

"Was tun Sie", wurde Herr Keuner gefragt, "wenn Sie einen Menschen lieben?"

"Ich mache einen Entwurf von ihm", sagte Herr Keuner, "und sorge dafür, dass er ihm ähnlich wird."

"Wer? Der Entwurf?"

"Nein", sagte Herr Keuner, "der Mensch."

 

Liebe Mitfastende,

welche Bilder haben Sie von anderen? Und welches Bild haben Sie von sich selbst? Sind Sie die Mahnerin, die immer auf die Risiken hinweist? Oder die Macherin, die einfach zupackt? Sind Sie der Stille, der lieber zuhört oder der, der auf dem Tisch tanzt?

Oft wird uns eine Rolle zugeschrieben. Wir werden in eine Schublade gepackt. Einordnen hilft die Komplexität des Lebens zu bewältigen. Doch es engt auch ein.

Und nicht nur die anderen machen sich ein Bild von mir. Auch ich habe ein Bild von mir. Ich habe eine Rolle übernommen und sie gefällt mir. Doch ich spüre auch den Druck, dieses Bild ständig zu erfüllen. Dinge, die nicht zu meinem Selbstbild passen, lasse ich dagegen lieber. Weil ich sie mir nicht zutraue.

Auch von Gott mache ich mir ein Bild. Wie er sein soll. Und immer wieder bin ich enttäuscht, weil er anders ist.

In der Bibel heißt es: "Du sollst Dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist" (Exodus 20,4).

Ich glaube, wir brauchen Bilder um diese Welt zu strukturieren, um nicht ständig überfordert zu sein. Aber es ist wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es nur ein Bild ist. Jeder Mensch ist ein Geheimnis. Auch wir selbst. Und Gott sowieso.

Ich nehme mir diese Woche vor, einmal aus meiner Rolle auszubrechen. Ganz anders zu sein als ich und andere es von mir erwarten. Haben Sie auch Lust?

 

 

          Gottes Segen, Mut und Freiheit

          wünscht Ihnen Nathalia Hanke

          (Pastorin in Schacht-Audorf und der Kanalregion)

 

 

 

  

Gemeinde-Email am 24. Februar 2021

Liebe Mit-Fastende!

Wie mit angezogener Handbremse -

so bewege ich mich leider allzu oft durch mein Leben.

Blockiert. Meistens nur von mir selbst.

 

Als der Jugendliche Jeremias in sich einen Auftrag von Gott hört,

greift seine innere "Handbremse" sofort:

"Das geht nicht, Gott! Ich bin zu jung!"

 

Wie lauten meine "Brems-Sätze"?

"Das können andere sicher viel besser."

"Ich? Dafür bin ich einfach die falsche!"

"Mir fehlt dafür einfach die Erfahrung! So was hab`ich noch nie gemacht!"

"Das bringst ja doch nichts."

"Ich bin doch zu alt dafür. Da müssen jetzt mal die Jüngeren ran."

...

 

Wie wäre es, wenn ich mir für diese zweite Fastenwoche vornehme: Ich traue mich mal, eine Sache zu denken, zu sagen oder sogar zu tun, obwohl ich merke, dass meine innere Handbremse wieder blockieren will! Ich löse einmal bewusst diese Bremse und folge der anderen Stimme in mir. Der, die mir zuflüstert: "Na los!"...

Ich habe da auch schon eine Idee!

Und Sie?

 

                                                    

 

 

Mit herzlichem Gruß,

Ihre/ Eure Marion Lauer, Pastorin in Bovenau

 

 

 

 


Woche 1: Alles auf Anfang

Sprüche 8, 23.29-31:

Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. ...als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl, als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

 

Während Gott die Welt erschafft, ist die Weisheit auch dabei. Spielerisch erkundet sie, was da alles so entsteht. Offen, arglos und unvoreingenommen - waren wir nicht auch mal so? Und können wir das noch? Die Welt ist ein Spielraum. Treten wir ein.

Gemeinde-Email am 22. Februar 2021

Liebe Mitfastende!

Alles auf Anfang - das ist das Motto der ersten Fastenwoche

Einen Hinweis auf den Beginn allen Lebens gibt uns der Losungstext für den 1. Sonntag in der Passionszeit:

Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. (Psalm 102, 26)

Sogar Gott macht einen Anfang.

Wenn wir uns das Anfangen Gottes mit seiner Schöpfung vorstellen wollen, bekommen wir aus den ersten Worten der Bibel nur diesen einen Hinweis: Dass alles, was Gott schafft, aus dem Nichts kommt. Gott ruft es beim Namen (das Licht, Tag und Nacht, Himmel und Erde...). Und es ist da!

Ein Fasten vergleiche ich gerne mit einer Pilgerreise, die einen Anfang hat, die Mühen des Weges und das Ziel, - meist ein bedeutender Ort.

Bei den Menschen, die alljährlich zu Tausenden auf dem Jakobsweg gehen, ja bei den meisten Pilgernden setzt sich aber im Laufe ihrer Wanderung eine ganz andere Erkenntnis durch: Der Weg ist das Ziel!

Es ist gut, sich auf diesen Weg geborgen zu fühlen in einer Welt, die Gott für uns bereitet hat. Oft verstehe ich sie nicht und sein Wille ist mir verborgen.

Aber ganz oft freue ich mich darauf: irgendwann einmal wieder diesen Kanon in einer großen Gemeinde singen zu können: Ausgang und Eingang, Anfang und Ende / liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.

Herzliche Grüße an alle, die auf dem Weg sind,

Ihr Pastor Michael Friesicke-Öhler

 

 

Gemeinde-Email zum Aschermittwoch, 17. Februar 2021

Liebe "Mitfastende" in unserer Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

wir freuen uns darüber, dass wir uns nun gemeinsam auf die Reise durch die Passions- oder Fastenzeit machen. Gestatten Sie daher, Sie mit "Mitfastende" anzusprechen.  

Bis Ostern folgen wir den Impulsen zum Nachsinnen und Überlegen aus den 7 Kapiteln des Aktionskalenders "Spielraum" für die 7 Wochen vor Ostern. Wenn Sie den Kalender mit den Bildern und Texten für jeden Tag schon haben, umso besser. Sonst können Sie sich Kalender und Geschichtenbuch im Gemeindebüro oder im Internet besorgen. Zweimal in der Woche begleiten wir Sie mit unserer Email.

Am Anfang steht der Start und das Losgehen. Das beginnt oft mit einem Blick zurück. Wo kommen wir her? Damit beginnt auch unser Weg, auf dem wir die Spielräume in unserem Leben erkunden wollen und herausfinden, was uns eigentlich blockiert, das zu tun, was wir immer schon tun wollten oder besser tun sollten oder wovon wir träumen.

Alles auf Anfang

"Alles auf Anfang" ist das Motto der ersten Woche. Im Buch der Sprüche (Kapitel 8, Verse 23 und 29-30) wird erzählt von einem Anfang: Die Weisheit habe zur Freude Gottes lustvoll "gespielt", während er die Schöpfung in Gang setzte, und habe sich an diesem Wunder der Schöpfung erfreut. Besonders an Menschen, Tieren und Pflanzen. Können wir uns jetzt im Nachhinein auch über das Neue, das in unserem Leben immer wieder eintrat, freuen?

Ganz besonders in Zeiten wie diesen, in denen sich eine gewisse Erschöpfung Raum verschafft und wir uns auf etwas Neues freuen (das eigentlich dem Alten, uns Vertrauten so nahe wie möglich kommen soll...) sehnen wir uns nach einem neuen Aufbruch.

Lassen Sie uns in diesen ersten Tagen überlegen, wie die vielen Anfänge in unserem Leben waren, die Kindheit, das erste Fahrrad, der erste Schultag, der erste Freund, der erste Kuss oder das erste...? Was haben wir gelernt, erfahren und erlebt? Was hat uns jeweils weitergebracht? Woran sind wir gewachsen?

Dem Vergangenen: Dank, dem Kommenden: Ja!

So machen wir uns auf den Weg. Einige von uns haben sich vorgenommen, sich in dieser Zeit nicht nur bewusst Zeit zum Nachdenken und Besinnen zu nehmen sondern sich auch körperlich gezielt einzuschränken, also weniger zu essen oder wochentags kein Fleisch und mehr Gemüsse, manche fasten richtig, andere essen keine Süßigkeiten mehr, trinken kein Bier und keinen Wein, lassen das Auto öfter stehen und den Fernseher aus, lesen dafür Bücher.

In gewisser Weise ist das ein Spiel, wenn wir uns zwischen Aschermittwoch und Ostern im "Fasten" körperlich einschränken und geistig neue Wege ausprobieren. Halten wir durch? Was geschieht mit uns, wenn wir ausprobieren, etwas anders zu leben?

Auf unserem Weg besinnen wir uns auf grundlegende biblische Texte: Worauf bauen wir? Welche neuen Spielräume öffnen sich in einer sich stark veränderten Welt? Vielleicht erfrischt uns das Zurücklassen unguter Gewohnheiten und die Konzentration auf ein paar wichtige Fragen und wir werden beweglichere und selbstbewusstere Christen.

Wir sind gemeinsam auf dem Weg!

Herzliche Grüße             Ihr Pastor Michael Friesicke-Öhler