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Aus dem aktuellen Gemeindebrief

Angedacht

Liebe Leserin, lieber Leser!

Haben Sie sich schon im neuen Jahr 2021 eingerichtet? Ich muss sagen, es fällt mir einigermaßen schwer, das zu tun. Normalerweise beginnt es doch mit so einer Art planerischer Vorausschau: Was wird alles passieren? Was nehme ich mir, - was nehmen wir uns als Familie vor? Und dabei sind familiäre Termine doch wohl für die meisten Menschen die wichtigsten: Gibt es einen runden Geburtstag, ein Jubiläum, eine Taufe oder Konfirmation? Wird gar die Ankunft eines neues Erdenbürgers erwartet? Ganz viel wird nicht so gehen können, wie es eigentlichen sein soll, und damit einen positiven Umgang zu lernen, darin übt sich die Welt jetzt schon bald ein ganzes Jahr!

Die Jahreslosung für 2021 stellt all unser Tun und Lassen unter ein Wort von Jesus:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6, 36)

Im Wort "barmherzig", dass wir oft nur noch in der Verneinung benutzen: - unbarmherzig - stecken für mich immer zwei Bedeutungen. Die eine: wenn beim Anfang nur ein Buchstabe ausgetauscht wird, wird daraus "warmherzig". Und dann steckt auch noch das "Erbarmen" drin.

Die Ermunterung zu einem barmherzigen Umgang miteinander habe ich in den vergangenen Monaten oft gehört. So vieles ist nicht mehr, wie wir es gewohnt sind. Es ist wirklich zum Ausflippen! Die meisten sozialen Kontakte sind uns weggebrochen und alles was Spaß macht, steht auf der rote Liste. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen: im Straßenverkehr wird deutlich mehr gehupt!

Unser Gesundheitsminister sagte im vergangenen Jahr einmal, dass wir uns viel zu verzeihen haben würden im Rückblick auf den Umgang mit der Pandemie. Wie wahr! Denn alles, was wir in diesem Zusammenhang erleben ist Neuland für alle Beteiligten, und na klar, wer Verantwortung hat, macht auch Fehler, wie soll es denn sonst gehen? Ein barmherziger Umgang - man könnte auch sagen: ein schonender, verzeihender und wohlwollender Umgang mit anderen und vor allem auch mit mir selbst hat etwas Heilsames. Ist ein Fehler passiert, habe ich etwas versäumt, einen wichtigen Termin vergessen? Davon geht die Welt nicht unter! Das ist sehr entlastend in einer Situation wie dieser, die uns doch so einiges abverlangt an Ärger und Frust. Wo ich auch hinschaue - ein barmherziger Blick auf alles befreit mich von der Vorstellung, perfekt sein zu müssen. Oder es von anderen zu verlangen. "Beten scheef hett Gott leef", das sollten wir uns jedes Mal sagen, wenn nicht alles so geklappt hat, wie wir es uns eigentlichen vorgestellt hatten.

In diesem durch die Umstände weitgehend verrückten Jahr wäre es schön, wenn wir uns alle üben könnten in einem barmherzigen Miteinander, denn es wird noch lange dauern, bis alles wieder wenigstens einigermaßen so ist, wie wir es früher gewohnt waren.

Mit einem herzlichen Gruß von Haus zu Haus

                          Ihr Pastor Michael Friesicke-Öhler

(Februar 2021)